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Freie Kooperation II

Viele Menschen klagen heute oft über ungerechte und unzureichende gesellschaftliche Mechanismen und Zustände, die den Menschen selbst nicht mehr gerecht werden. Diese Unzufriedenheit zeigt sich in einem zunehmenden Vertrauensverlust der regierenden Politik und der Hinwendung zu rückwärtsgewandten Ideologien, die einfache Lösungen anzubieten scheinen. Kritik an den gesellschaftlichen Verhältnissen verläuft jedoch im Sande, wenn keine Alternative vorhanden ist, die erstrebenswert erscheint und auch gedacht werden kann. Eine solche Alternative für ein menschliches Zusammenleben in der Zukunft stellt die Idee der Freien Kooperation dar. Diese Idee basiert auf dem Glauben an die Fähigkeit zur Selbstorganisation der Menschen durch vielfältige Formen direkter und freiwilliger Kooperation. Freie Kooperation findet sich in allen Zeitaltern der Menschheit, die Menschen haben jedoch aufgehört an diese Möglichkeit und sich selbst zu glauben und zu vertrauen. In neuerer Zeit entstehen jedoch wieder Kooperationen, die sich dieser Chancen bewußt werden oder sind. Das Seminar zeigt Ansatzpunkte, wie bereits im Hier und Jetzt an einer alternativen Ordnung gearbeitet werden kann und welche Möglichkeiten schon heute bestehen reale Lebensbereiche kooperativ zu organisieren.

Besonders in Mecklenburg-Vorpommern mit den höchsten Arbeitslosenraten der BRD scheint die Hoffnung auf Perspektiven innerhalb des herrschenden Systems mehr und mehr zu schwinden. Viele Menschen flüchten sich entweder in die Hilflosigkeit, die sie mit Alkohol zu verdrängen suchen, oder sympathisieren mit rechtsextremistischen Kreisen, in denen sie auf Resonanz für ihre Probleme treffen.
Glaubhafte Zukunftsperspektiven werden derzeit weder von der Politik oder den Medien noch aus der Gesellschaft selbst entwickelt und verbreitet. Trotzdem bestehen sie: Visionen für neue Formen des Zusammenlebens und der Zusammenarbeit. Eine weitreichende Idee, die nicht nur einen Traum für eine ferne Zukunft darstellt, sondern Handlungsmöglichkeiten im Hier und Jetzt bietet.

Freie Kooperation heißt erst einmal, daß sich Menschen aus ihrer freien Entscheidung zur Verfolgung eines bestimmten Zwecks zusammentun, den sie allein nur schwerer oder überhaupt nicht erreichen können.
Die Idee der Freien Kooperation lädt dazu ein, den kooperativen Umgang zwischen Menschen auf das Erwerbsleben bzw. die Bereiche des Lebens, die der Lebenserhaltung dienen, anzuwenden. Die Überlegenheit der Kooperation für alle Beteiligten im Vergleich zur Konkurrenz hat nicht nur die Spieltheorie sondern auch die Sozialpsychologie eindrucksvoll belegt. Der entscheidende Vorteil, der auch den visionären Charakter dieser Idee ausmacht, ist, daß es zur Kooperation Menschen bedarf, die aktiv sind, aber nicht zwangsläufig Geld. Die Menschen können also auch ohne den Austausch von Geld zum gegenseitigen Vorteil kooperieren. Bereits bestehende Beispiele für derartige Kooperationen sind zum Beispiel Fahrgemeinschaften oder auch Nutzergemeinschaften. Bei letzteren werden zum Beispiel auch Autos mit mehreren Leuten geteilt, es braucht also nicht jeder Mensch ein eigenes Auto. Weitergehend konzipiert sind Tauschringe. Vollkommen ohne eigen Gegenwert in der offiziellen Währung werden dort Dinge und Dienstleistungen auf der Basis freier Verhandlung miteinander getauscht. Die gesellschaftliche Stellung oder das Bankguthaben spielen dabei für die Rolle in dieser Struktur keine Rolle. Weitere Beispiele für freie Kooperationen mit lebenserhaltenden Funktionen können Einkaufskooperativen, Hofgemeinschaften, Alten-Wohngemeinschaften, Umsonstläden, selbstorganisierte Koch- und Eßgemeinschaften, Selbsthilfewerkstätten und -gruppen oder Bürgergärten sein. Es existieren also schon einige Ansätze, die sich langsam verbreitern und gut funktionieren. Insbesondere in strukturschwachen Regionen wie Mecklenburg-Vorpommern könnte gerade diese Form des Aufbaus kooperativer Strukturen den Menschen eine Perspektive bieten, die sie aus sich selbst heraus umsetzen können, statt frustriert auf den allheilbringenden Investor oder den großen Wirtschaftsaufschwung zu warten. Ein Faktor, der es erschwert, diese Formen der Kooperation aufzunehmen und auf sie zu vertrauen sind große Lerndefizite im Umgang mit zwischenmenschlichen Beziehungen und besonders mit Gruppen und Gruppenprozessen. Die meisten Menschen haben nicht viel Erfahrung in konstruktiver Gruppenarbeit. Besonders beim Auftreten unvermeidlicher Krisen zeigt sich diese mangelnde Erfahrung und die Gruppe gerät in die Gefahr einer Auflösung, Spaltung oder eines Rufes nach autoritärer Leitung. Entwicklungschancen von Gruppen und die Möglichkeit aus Krisen gestärkt hervorzugehen werden dabei oft zum Leidwesen aller Beteiligten verschenkt.

Eine Entwicklung und Veränderung der Gesellschaft zum Nutzen aller gibt es eben nicht geschenkt, sondern muß von allen Beteiligten und Willigen erarbeitet werden. Dieser Prozeß soll mit den Veranstaltungen zur Freien Kooperation unterstützt und gefördert werden.

 

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