Politischer Donnerstag - Lesung: "Der letzte linke Student"
Das Buch " Der letzte linke Student" des Autors Jörg Sundermeier erschien schon 2004 - weiterführende Erlebnisse des linksanalytischen, eitlen, naiven und aktionistischen Studenten werden in der gleichnamigen Kolummne wöchentlich in der Zeitschrift "Jungle Wolrld" veröffentlicht und geniessen inzwischen Kultstatus. Die Figur zeichnet sich durch eine herrlich überspitzte Mischung aus Rigorismus, Wahnwitz und Dummheit aus. In dem Denken und Handeln des Protaganisten werden Trugschlüsse, Abstrusitäten, Fehlleistungen und Dogmatismen der linken Bewegung mit Ironie und Biss uns plastisch vor Augen geführt. Die Texte vermitteln keine Botschaft im eigentlichen Sinn, sondern fordern von jedem/r eine eigene Analyse und ein eigenes Urteil.
Insofern bietet das Buch Aufklärung im besten Sinne, weil es Denkfehler in der "linksradikalen Szene" aufzeigt und zum Entschlüsseln dieser anregt. Und manchmal auch zum Schmunzeln ....
Rezensionen
Jens Balzer schrieb in der Berliner Zeitung: „Die Sundermeier'schen Kolumnen vom »letzten linken Studenten«, die in den letzten Jahren vor allem in der Jungle World erschienen sind und vom Alibri-Verlag jetzt in gesammelter Form herausgegeben werden, sind gefühlvolle Betrachtungen aus dem Innenleben eines frei erfundenen jungen Manns, der den marxistisch-leninistischen Materialismus trotz widriger Zeitumstände nicht aufgeben will und sich darum immer wieder in bohrende Selbstbefragungen verstrickt: Darf man Popmusik mögen und sich zugleich als Linker fühlen? Darf man als linker Student sein WG-Zimmer heute noch mit einer Lenin-Büste staffieren – oder entspricht man damit nicht einem massenmedial entfremdeten bürgerlichen Klischee?“
Linus Volkmann schrieb in der Intro: „Sundermeier demontiert zwar über die Grenze der Selbstverletzung hinaus das eigene Milieu, aber nur, um versteinerte linke Ex-Interims-Lebenswelten auszuräuchern. Eine wahre Meisterschaft erfüllt Sundermeier dabei im Stil. Statt Schachtelhalmsätze: Imperativ und knappe Aussagesätze. Knisternde Minimal-Ästhetik der Worte wie einst der Sound auf Köln-Kompakt-Platten. Beispiel? »Der letzte linke Student weiß, wo sich heute ein paar Nazis versammeln. ›Da gehen wir stören‹, sagt er zu dem, der sich noch immer Kommunist nennt. Aber der, der!: der sagt, er will lieber Bier trinken gehen.« Ein ganz starkes Stück Episodenherrlichkeit.“ Lebenslauf Jörg Sundermeier Geboren 1970 in Verl bei Gütersloh. Lebt seit 1996 in Berlin. Seit 1992 freie Mitarbeit u.a. bei Jungle World, taz, Intro, Freitag, De:Bug, fluter.de, Berliner Zeitung Seit 1998 Kolumnist der Tageszeitung taz, seit 2006 Kolumnist der Berliner Zeitung. 1995 Mitbegründer des Verbrecher Verlags, Berlin, dort heute Programmleiter und Herausgeber und Mitherausgeber diverser Anthologien Seit 1992 diverse literarische Beiträge und Aufsätze in Anthologien. Zuletzt: „Was wir uns erlauben“ in Gunther Nickel (Hrsg.): „Krise des Lektorats?“, Wallstein Verlag, Göttingen 2006 2004 erschien die Kolumnensammlung „Der letzte linke Student“ im Alibri Verlag, Aschaffenburg. (155 Seiten, kartoniert, 13 €, ISBN 3-932710-85-1)
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