Ausstellung im Peter-Weiss-Haus vom 04.03. - 25.03.2010
organisiert vom Dokumentationszentrum Barth
Die 20 Tafeln der Ausstellung widmen sich sowohl den technischen Parametern, der Erprobung und des legendären „Heinkel-Tempos“ als auch den Arbeitssklaven aus dem KZ, dem Widerstand von Häftlingen und dem Ende der Heinkel 162 im KZ-Außenlager Barth.
Seit 2006 interessieren sich vor allem die Betreiber von Flugplätzen für diese Ausstellung wie Gatow, Altenburg, Barth, Rostock-Laage.
Nachdem die Präsentation vom 01.April 2010 bis Mitte Mai in Prora zu sehen ist, wandert sie für den Rest des Jahres auf den historischen Flughafen Schönhagen / Berlin. Am Rande der Ausstellung gibt es immer wieder interessante Gespräche mit Schülern, Studenten, Zivildienstleistenden und Soldaten der Bundeswehr. Dabei wird uns, als Vertretern der älteren Generation immer mehr bewusst, dass wir Faktenwissen und Zusammenhänge voraussetzen, über die die jungen Menschen nicht unbedingt verfügen. Ob es uns passt oder nicht, wir sollten ihnen den Zugang zu unverfälschter Geschichte ermöglichen aber sie dann solche Präsentationen in eigener Regie erarbeiten lassen.
Ein Skandal – eine Expertenkommission – und nun?
Vielleicht erinnern sich noch einige an die Diskussionen zu diesem Thema. Eine Ausstellung des Förderkreises Luft-und Raumfahrt M-V e.V im August 2002 musste von der Kultursenatorin geschlossen werden.
Es ging um Ernst Heinkel, die Rolle des Luftfahrt- und Rüstungskonzerns vor allem in der Stadtgeschichte Rostocks, um Geschichtsverfälschung, Glorifizierung Heinkels, seiner Vorreiterrolle beim Einsatz von Zwangsarbeitern und KZ- Häftlingen in die Produktion und die Folgen seiner engen Zusammenarbeit mit der SS. Wochenlang stritten Befürworter und Gegner, es ging um „Technik und Verantwortung“ und um die Aufarbeitung der Industriegeschichte der Stadt.
Im Juni 2004 nahm eine Expertenkommission von 17 Mitgliedern unter der Leitung von Prof. Dr. Günter Morsch (Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten) ihre Arbeit auf.
Angestrebt wurden Empfehlungen, in welcher Weise die Industrie –und Technikgeschichte vor allem hinsichtlich der Flugzeugindustrie und der Person Ernst Heinkel zur Zeit des NS-Systems aufgearbeitet und präsentiert werden können.
Nun, es wurde einige Monate kontrovers diskutiert, viel informiert und manche Auffassung korrigiert. Eine Liste mit konkreten, realisierbaren Empfehlungen der Kommission wurde der Stadt übergeben.
Sechs Jahre sind inzwischen vergangen, in denen einzelne Vereine, freie Träger, Wissenschaftler und engagierte Lehrer versuchten, Elemente der Empfehlungen zu verwirklichen. Historiker aus Hamburg und Bochum boten der Universität Rostock ihre Unterstützung an. Hat man diese nicht angenommen, weil sich die universitäre Zeitgeschichts forschung immer noch auf die DDR-Geschichte konzentriert? Weshalb werden interessierte Bürger durch die Stadt nicht unterstützt und gefördert? Weshalb gibt es kein Konzept zur Aufarbeitung der Lokalgeschichte?
Zwischen den Städten Rostock- Gelbensande- Ribnitz- Barth hinterließ der Heinkel-Konzern eine Spur der Technik und des Todes. Nach der Bombardierung Rostocks verlegte Heinkel seine Produktion auch nach Barth, er ließ dort mit Hilfe der SS ein Außenlager des KZ- Ravensbrück einrichten. Kurz vor Kriegsende begann er ein weiteres in Gelbensande aufzubauen. Material, Technik, Fachpersonal wurden von Rostock nach Barth gebracht, auf dem Rückweg wurden die toten Häftlinge in Kisten zusammen mit Flugzeugteilen nach Rostock transportiert, auf dieser Strecke trieb die SS hunderte Frauen und Männer im Todesmarsch Richtung Rostock.
Der Förderverein Dokumentations- und Begegnungsstätte Barth e.V. (DOK- Barth) stellte sich dem Thema „Technik und Verantwortung“ und erarbeitete 2006 eine Wanderausstellung:
„Der `Volksjäger` Heinkel He 162 im Jahr 1945 – Stationen der Hochtechnologie und Zwangsarbeit im heutigen Mecklenburg-Vorpommern“.
Als diese Ausstellung gemeinsam mit einer neuen „Heinkel-Austellung“ des Förderkreises Luft- und Raumfahrt im ehemaligen Rostocker Schifffahrtsmuseum gezeigt wurde, gab es wieder Diskussionen: „Wie könnt ihr – mit denen gemeinsam...?“ Nun, wir konnten und der „mündige“ Bürger sollte sich selbst ein Bild machen, vergleichen und auch über Heinkel urteilen.
Die He 162 war ein umstrittenes kleines Jagdflugzeug. Projektiert, erprobt und gebaut wurde es vorwiegend auf dem Territorium des heutigen Mecklenburg-Vorpommern. Doch das Flugzeug hatte seinen Preis, rein rechnerisch und moralisch. Die Produktion erfolgte unter hohem materiellem und logistischem Aufwand. Hunderte von Zwangsarbeitern verloren für die Heinkel 162 noch wenige Wochen vor Kriegsende ihr Leben. Kaum ausgebildete Jungen der Flieger-HJ sollten die Maschine fliegen. Bei Testflügen kamen mehrere Menschen um.
Der Rumpf des Flugzeuges bestand aus Metall, die Tragflächen und Teile des Leitwerkes aus Sperrholz, die miteinander verklebt wurden. Auf dem Rücken der kleinen Maschine saß ein Düsentriebwerk. Manche Häftlinge glaubten an der Vergeltungswaffe V-1 zu arbeiten.