Anarchie, Anarchismus, Libertäre Presse in Deutschland 1844 bis 1945
Die Vielfalt des Anarchismus in Deutschland lässt sich gut anhand seiner Presse aufzeigen. In den letzten 150 Jahren sind unzählige schwarz-rote Sternschnuppen, aber auch langlebige und einflussreiche libertäre Zeitschriften entstanden.
Nach dem Ersten Weltkrieg hatte die anarchosyndikalistische Freie Arbeiter Union Deutschlands (FAUD) ca. 150.000 Mitglieder. Ihr Hauptorgan Der Syndikalist erreichte zeitweise eine wöchentliche Auflage von bis zu 120.000 Exemplaren, es gab anarchistische Jugendzeitungen wie die Wochenzeitung Schwarze Fahne und anarchistische Frauenzeitschriften wie Die Schaffende Frau aus Dresden, und im Ruhrgebiet erschien sogar eine anarchistische Tageszeitung: Die Schöpfung. Während der Nazizeit wurde der Anarchismus zerschlagen. Trotzdem existierten bis 1937 anarchistische Untergrundblätter, die von der bürgerlichen Geschichtsschreibung bis heute ignoriert werden.
Seit 1968 gibt es in der Bundesrepublik einen „neuen Anarchismus“. Und ohne die kleine libertäre Bewegung in der DDR würde es diesen autoritär-„sozialistischen“ Staat wohl noch geben.
Anhand von Anschauungsmaterial wird in die Geschichte und Gegenwart des Anarchismus eingeführt, mögliche Perspektiven werden zur Diskussion gestellt.
Der Referent Bernd Drücke hat 1997 zum Thema anarchistische Presse in Ost- und Westdeutschland promoviert. Seit 1998 arbeitet er als Koordinationsredakteur der gewaltfrei-anarchistischen Monatszeitung Graswurzelrevolution. Er ist Autor u.a. von „Zwischen Schreibtisch und Straßenschlacht? Anarchismus und libertäre Presse in Ost- und Westdeutschland“ (K & O, Ulm 1998) und „ja! Anarchismus. Gelebte Utopie im 21. Jahrhundert“ (Karin Kramer Verlag, Berlin 2006)